Nachbericht zum DGSF-Fachtag 4 „Liebe, Neugier, Spiel“

Termin: 08.11.2017 | Leitung: Rainer Schwing

DGSF-Fachtag 4:  Liebe, Neugier, Spiel

Rainer Schwing begeisterte die ca. 25 teilnehmenden Kolleg*innen mit einer engagierter Präsentation, einigen Übungen in Dyaden und Kleingruppen sowie zahlreichen  Anregungen für die eigene Praxis beim Fachtag „Liebe – Neugier – Spiel “.

Der Leiter des Praxisinstituts Süd brachte seine langjährigen Erfahrungen als Dipl.-Psychologe, Paar- und Familientherapeut, Coach und Supervisor in einer Art und Weise ein, die die Zuhörer*innen nicht nur inhaltlich , sondern auch emotional ansprachen, was dem Verlauf des Fachtages eine wunderschöne Dynamik gab.

In allen Phasen des Vortrags wurde spürbar, wie sehr den Referenten das Thema selbst begeistert und antreibt. Besonders gelungen wirkte auf das Auditorium die gelungene Verbindung von validen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Anwendungsmöglichkeiten und -ideen für die tägliche Praxis.

Anhand der Entwicklungsgeschichte von Therapie und Beratung in den westlichen Ländern wurde nachvollziehbar, welche Entwicklungslinien vom Beginn der Psychoanalyse über die Verhaltenstherapie bis hin zur systemischen Beratung und Therapie aufzuzeigen sind und welche Konsequenzen die jeweiligen Haltungen innerhalb der Ansätze für die Praxis von beratenden oder therapierenden Fachkräften haben.

Bezugnehmend auf die vorliegenden wissenschaftlichen Studien zur systemischen Therapie, die zum größten Teil in Amerika erarbeitet wurden, zeigte Rainer Schwing an vielen Studien sehr eloquent auf, wie sehr sich die Ausrichtung der dortigen systemischen Therapie von den Entwicklungslinien in Deutschland unterscheidet. Während in unserem Land immer noch eine starke Tendenz besteht, den Fokus von Therapien und Beratungen auf kognitiven Interventionen zu richten, ist die amerikanischer Praxis seit längerem schon wieder viel mehr auf handlungsorientierten Interventionen  orientiert. Ansätze von Größen wie Minuchin, Haley, Madanes und anderen, die hier immer noch eher als „überholt“ und nicht mehr als up-to-date beurteilt werden, zeigen in den USA in aktualisierten Ansätzen beachtliche Erfolge, die man auch hier in Deutschland Klienten wünschen würde.

Sehr wertgeschätzt wurde, dass die doch relativ komplexen Zusammenhänge der Neurobiologie in ihren vielfältigen Dimensionen sehr verständlich vermittelt wurden. Die dargebotenen wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden dann jeweils in einem weiteren Schritt auf ihren Nutzen für die tägliche Beratungs- und Therapiepraxis untersucht.

Einige begleitende Kleingruppenarbeiten zu den jeweiligen Themenschwerpunkten  halfen nicht nur den Teilnehmer*innen, kurzzeitig aus der aufnehmenden in eine aktive Rolle zu wechseln, sondern boten auch die Möglichkeit, in einer entspannten Atmosphäre einige der Erkenntnisse gleich einmal ausprobieren zu können.

Wie zu erwarten war, reichte die Zeit an diesem spannenden Fachtag nicht aus für die Fülle an Informationen und  das lebhafte Bedürfnis der Teilnehmer*innen nach Austausch. Durch das großzügige Angebot, die Folien der Tagung auf der Internetseite des Praxisinstitutes Süd  herunterladen zu können, haben die Teilnehmer*innen die schöne Möglichkeit, bei Interesse nochmals gründlich nacharbeiten zu können.

Bericht: Prof. Dr. Peter Bünder