Seminar: Diskriminierungssensible Beratung aus systemischer Perspektive | Systemisch denken – Machtverhältnisse reflektieren – Vielfalt professionell begleiten
2027-S-3
Leitung: Loddy Heizmann und Rahel Lorenz
Systemische Beratung betrachtet Menschen in ihren Beziehungen und Lebenskontexten. Diese Kontexte sind jedoch nicht neutral: Sie sind geprägt von gesellschaftlichen Machtverhältnissen, Normen und Zuschreibungen, die die Erfahrungen von Menschen wesentlich mitgestalten. Eine diskriminierungssensible systemische Praxis erweitert den systemischen Blick um die Reflexion gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Sie versteht Diskriminierung nicht als individuelles Problem einzelner Menschen, sondern als Teil der Kontexte, in denen Beziehungen entstehen, Identitäten entwickelt werden und Beratung stattfindet.
Wie können Berater*innen Menschen in ihrer Vielfalt achtsam begleiten, ohne Erfahrungen von Diskriminierung zu individualisieren oder zu übersehen? Wie lässt sich eine systemische Haltung mit einer machtkritischen Perspektive verbinden, die Privilegien, Ausschlüsse und strukturelle Ungleichheiten mitdenkt? Und wie kann Beratung Räume schaffen, in denen unterschiedliche Lebensrealitäten anerkannt werden und Menschen sich mit ihren Erfahrungen gesehen fühlen?
In diesem zweitägigen praxisorientierten Workshop setzen wir uns mit diesen Fragen auseinander. Theoretische Impulse verbinden wir mit Selbstreflexion, kollegialem Austausch und praxisnahen Übungen. Im Mittelpunkt steht die kontinuierliche Reflexion der eigenen professionellen Positionierung: Welche Annahmen, Erfahrungen und Privilegien bringe ich mit? Und welche gesellschaftlichen Normen wirken in meine Beratung hinein?
Ausgehend von den beruflichen Schwerpunkten der Referent*innen beschäftigen wir uns insbesondere mit rassismuskritischen und queersensiblen Perspektiven; dabei denken wir Diskriminierungserfahrungen aber im Rahmen einer intersektionalen Perspektive.
Ein besonderer Fokus während des Workshops liegt auf der Übertragung in die Beratungspraxis. In interaktiven Übungen, Kleingruppenarbeit, Fallbesprechungen und Reflexionsphasen erkunden wir, wie sich eine diskriminierungssensible systemische Haltung im Beratungsalltag gestalten lässt. Dabei geht es nicht darum, „fehlerfrei zu beraten, sondern Unsicherheiten als Teil professioneller Entwicklung zu verstehen, Verantwortung für die eigene Rolle zu übernehmen und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Macht und Diskriminierung zu erweitern.
Kerninhalte
- Systemische Haltung und Machtkritik: Beratung im Spannungsfeld individueller Lebensgeschichten, Beziehungssysteme und gesellschaftlicher Machtverhältnisse verstehen.
- Rassismuskritik: Strukturelle, institutionelle und alltägliche Formen von Rassismus erkennen und ihre Bedeutung für Beratungsprozesse berücksichtigen.
- Queersensibilität: geschlechtliche und sexuelle Vielfalt kompetent und wertschätzend in der Beratung begleiten.
- Intersektionalität in der Praxis: Das Zusammenspiel verschiedener Diskriminierungsdimensionen verstehen und Barrieren abbauen.
Vom Wissen zum Handeln: Praxisnahe Übungen zur Gesprächsführung, Fallberatung und dem Umgang mit Unsicherheiten.
Beide Referent*innen positionieren sich als „weiß“, queer und sind von unsichtbaren chronischen Erkrankungen betroffen.
Der Workshop ist als Braver Space konzipiert, einem Ort des gemeinsamen und mutigen Lernens zu herausfordernden Themen.
Termine
Donnerstag, 14.10.2027 von 09:30 bis 17:30 Uhr
Freitag, 15.10.2027 von 09:00 bis 17:00 Uhr
Teilnahmegebühr
Normalpreis: 255 EUR
Frühbucher (bis 16.07.2027) / Huckepack: 240 EUR
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