Lust auf Paartherapie und -beratung – vier Seminare als Seminarreihe
2027-SR-5
Leitung: Sonja Geist und Nele Sehrt
Paarbeziehungen sind lebendige Systeme – voller Nähe, Reibung, Sehnsucht, Enttäuschung, Veränderung und Neubeginn. Viele Kolleg*innen erleben Paargespräche gleichzeitig als faszinierend und herausfordernd: Zwei Perspektiven, hohe Emotionen, Loyalitätskonflikte, unklare Aufträge und alte Verletzungen treffen in einem Setting aufeinander, das andere Haltungen und Interventionen verlangt als die klassische Einzeltherapie.
Die vierteilige Seminarreihe „Lust auf Paartherapie und -beratung“ richtet sich an Psychotherapeut*innen, Berater*innen und andere psychosoziale Berufsgruppen, die sich fundiert und praxistauglich mit Grundlagen und Methoden, Paardynamiken, Kommunikation und Konflikten sowie Intimität und Sexualität auseinandersetzen wollen.
Jedes Seminar umfasst zwei intensive Tage mit einem lebendigen Wechsel aus theoretischen Inputs, Fallarbeit oder Live-Demo sowie Kleingruppenarbeit, Rollenspiele und angeleiteter Selbstreflexion. Die Teilnehmenden sind eingeladen, eigene Fälle einzubringen und mit kollegialer und professioneller Rückmeldung zu bearbeiten.
Teilnahmevoraussetzung und Buchungsoptionen
Die Reihe kann nur modular gebucht werden. Voraussetzung sind Grundkenntnisse in Beratung oder Therapie sowie die Bereitschaft zur Selbstreflexion. Die Seminare eignen sich sowohl für erste Schritte in der Paararbeit als auch zur Vertiefung für Kolleg*innen, die bereits mit Paaren arbeiten und ihr methodisches Repertoire erweitern möchten.
Modul 1: Einstieg in die Paartherapie – gute Rahmenbedingungen und gelungene Anfänge
Do + Fr, 15. + 16. April 2027
Dozentin: Sonja Geist
Dies ist ein praxisnahes Seminar für alle Fachpersonen, die mit Paaren arbeiten wollen oder es bereits tun und sich noch unsicher fühlen. Im Mittelpunkt stehen hilfreiche Grundvoraussetzungen, eine sichere Gestaltung von Erstgesprächen und Auftragsklärung sowie eine therapeutische Haltung, die Paaren Orientierung, Struktur und Halt gibt – und Lust auf die Arbeit mit Paaren weckt.
Schwerpunkte:
- Hilfreiche Grundvoraussetzungen, Erstgesprächsanleitungen, Auftragsklärung und affektive Rahmung
- Prozessverläufe systemisch-integrativer Paartherapie
- Therapeutische Haltung, Techniken und konkrete Handlungsstrategien
- Systemische Interventionen/Methoden
- Selbsterfahrung und Reflexion der eigenen Rolle in der Paararbeit
Das Seminar unterstützt die Teilnehmenden darin, Paaren in der Sitzung Orientierung zu geben, klare Aufträge zu formulieren, eine verlässliche Arbeitsbeziehung mit beiden Partner:innen aufzubauen, Struktur anzubieten und unklare Allianzen zu vermeiden – und so Berührungsängste abzubauen und Sicherheit in den ersten Schritten der Paartherapie zu gewinnen.
Modul 2: Paardynamik und Entwicklungsaufgaben
Do + Fr, 10. + 11. Juni 2027
Dozentin: Nele Sehrt
In diesem Seminar geht es darum, wie Paare mit Veränderungen, Unterschieden und asynchronen Entwicklungen umgehen – und welche entwicklungsdynamischen Prozesse hinter typischen Beziehungsmustern stehen. Im Fokus stehen Symbiose- und Differenzierungsbewegungen, Kollusionsmuster und Co-Evolution sowie die Art und Weise, wie Paare ihre Grundbedürfnisse regulieren.
Schwerpunkte:
- Umgang mit Veränderungen und asynchronen Entwicklungen in Paarbiografien: Wie Paare sich gegenseitig in ihrer Entwicklung fördern oder blockieren
- Grundbedürfnisse und Coping-Mechanismen: Co-Regulation, emotionale Selbstberuhigung und ihre Grenzen
- Problem- und Lösungstrance: Wie Paare unbewusst Problemzustände stabilisieren und wie Beratung den Fokus auf Ressourcen und Entwicklung lenken kann
- Emotionsbasierte vs. differenzierungsorientierte Methoden: Wann Vertiefung von Emotionen hilfreich ist und wann Klärung, Struktur und Differenzierung im Vordergrund stehen
Die Teilnehmenden lernen, entwicklungsdynamische Prozesse in Paaren zu erkennen, Hypothesen zu Symbiose- und Differenzierungsbewegungen zu bilden und Interventionen so zu wählen, dass sie Veränderungsschritte auf beiden Seiten angemessen unterstützen.
Modul 3: Kommunikation, Konflikte und Streit
Do + Fr: 30. September + 01. Oktober 2027
Dozentin: Nele Sehrt
In diesem Seminar geht es um das, was Paare „zwischen den Worten“ und mitten im Streit tun: Wie sie Konflikte anbahnen, vermeiden, eskalieren – oder gar nicht mehr miteinander sprechen. Im Mittelpunkt stehen typische Streitdynamiken, Affektregulation in der Sitzung und die Rolle als Strukturgeber:in und „Dolmetscher:in“ in belasteten Gesprächen, inklusive eines Blicks auf den Umgang bei häuslicher Gewalt.
Schwerpunkte:
- Vorgehen bei stillen und offenen Streitdynamiken: Erkennen von Eskalationsspiralen, Rückzugsmustern und „immer gleichen Szenen“
- Affektregulation & Dolmetscherfunktion: Paare im Gespräch halten, Emotionen strukturieren, verlangsamen und übersetzen, ohne Partei zu ergreifen
- Vulnerabilitäts- & Schutzzirkel: Sensibilisierung für Risikokonstellationen, Schutzbedürfnisse und Grenzen des paarberatenden Settings
- Häusliche Gewalt: Gefährdungseinschätzung, Krisenintervention, Indikationen für Unterbrechung/Beendigung der Paarberatung und Einbindung weiterer Hilfesysteme
Die Teilnehmenden lernen, konfliktgeladene Sitzungen zu strukturieren, destruktive Streitmuster zu unterbrechen und Paare dabei zu unterstützen, von „gegeneinander kämpfen“ zu einem dialogischen, verantwortungsvolleren Miteinander zu finden – bei gleichzeitiger Klarheit für Situationen, in denen Schutz und Sicherheit Vorrang vor „Paararbeit“ haben.
Modul 4: Intimität und Sexualität
Do-Fr: 10. + 11. Februar 2028
Dozentin: Nele Sehrt
Intimität und Sexualität gehören zu den häufigsten, aber oft auch zu den schambesetzten Themen in der Paartherapie. In diesem Seminar geht es darum, Themen von Intimität und Sexualität im Paarsetting sicher und wertschätzend zu begleiten – in einer Haltung tiefen Respekts gegenüber Selbstbestimmung und Vielfalt, von Asexualität bis Sexpositivismus.
Schwerpunkte:
- Intimität als Zusammenspiel von Nähe, Differenz und Selbstoffenbarung: Sehnsucht nach Verschmelzung und Autonomie
- Sprechen über Sexualität: Sprache, Scham, Grenzen, Einverständnis, queer- und diversitätssensible Perspektiven
- Häufige sexuelle Themen in der Paarberatung: Lustdifferenzen, Begehren in Langzeitbeziehungen, Pornografie, Eifersucht, offene Beziehungsformen
- Sexuelle „Funktionslösungen“ und Paardynamik: Wie sich Beziehungsmuster im sexuellen Erleben widerspiegeln und wie mit beiden Ebenen gearbeitet werden kann
Das Modul verbindet systemische Paarperspektiven mit grundlegenden sexologischen und sexualtherapeutischen Konzepten. Es lädt zur Reflexion ein und stärkt die Handlungsfähigkeit im Umgang mit Sexualität, Körperlichkeit und Begehren – insbesondere bei sensiblen oder konflikthaften Themen.
Seminarzeiten
Donnerstag 09:30–17:30 Uhr, Freitag 09:00–17:00 Uhr
Teilnahmegebühr je Seminar
Normalpreis: 255 €
Frühbucher/Huckepack 240 €/Person
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